Kerstin Graf`s Bilder sind nicht auf den Begriff zu bringen. Sie stehen zwischen den Welten. In ihnen lichtet sich das Dickicht und gleichfalls verdichtet sich die Lichtung. Erdnahe Töne und Strukturen lösen sich mit synthetischen, technoiden ab. Sie oszilliert zwischen den Welten der Künstlichkeit und der unserem Zugriff entzogenen Natur.

Sie setzt sich den kulturellen Phänomenen unserer technoiden Welt aus. Das Material Glas hat sie zur Seite gelegt, die Farbkraft mittelalterlicher Bleiverglasungen schienen ihr für uns heutige uneinholbar. In Ihren Bildern ist das Unfeststellbare, das Schimmern in Abhängigkeit vom Lichteinfall, das dem Glas eignet, aufgehoben. Ein Fokussieren ist unmöglich, alles verbleibt in Unschärfe, die Bilder beginnen zu fließen. Dickichte wachsen, und Gespinste.

Die Farbklänge korrespondieren mit den spezifischen Einflüssen einer technoiden Jugendkultur - Silber und Neonfarben in zahlreichen lasierenden Farbschichtungen. Wirkungen entstehen ganz individuell nach Perspektive und Lichteinfall beim Betrachter. Unser Blick verliert sich in scheinbar unendlichen Schichtungen.

Kerstin Graf erfährt die Bedrohungen der Technoiden Kultur existentiell, versucht ihr allerdings die zerstörerische Dimension zu nehmen. Die Brücke zum Techno ist die Methode des Farbauftrags sowie die synthetische Farblichkeit, schrill, laut, kalt und provokativ bis hin zum Kitsch.

Hologramme und Vexierbilder sind Produkte unserer technischen Welt, sie sind berechenbar, von vornherein klar auf die optische Wirkung und Täuschung abgestellt. Ihre Verführung ist numerisch. Die Wirkung der optischen Verführung erreichen auch diese Bilder. Der Prozeß ihrer Entstehung ist allerdings nur in einer Richtung berechnet und klar.

Klang und Wiederholung ergibt Trance schreibt sie einmal, exstatische Zustände sind es, die zur Grundlage ihres Bildschaffens werden. In stets sich wiederholenden, monotonen Bewegungen entstehen verblüffende Farbschichtungen, die mit den Klangteppichen der Technomusik korrespondieren, den Betrachter allerdings nicht mehr schrecken sondern in die Tiefe gehen, ihn auf den eigenen Weg führen. Im Ergebnis findet sich keinerlei Monotonie.

Wiederholung und Schichtung - das ist ihr einziges Gesetz. Der Rest ist, sich dem Medium zu übergeben, das Bild als Aktionsraum zu begreifen, überrascht zu sein über das Ergebnis einer seltenen Verbindung von Impressionismus und Op-Art.

Dr. phil. Ralf Eichberg - Philosoph/Leipzig
 
 
 
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